Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e. V.

Wer die Vergangenheit kennt, ist für die Zukunft gewappnet.

 

Gräber außerhalb des Auerbacher Friedhofs                  Ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof in Hochstädten

Außerhalb des Auerbacher Friedhofs liegen  die Gräber von 22 Nazi-Opfern. Diese Opfer stammen aus der Rüstungsfirma des Ing. Hans Heymann, die zum Schutz vor alliierten Bomben von Darmstadt in das Marmoritbergwerk bei Hochstädten unterirdisch verlagert worden war. Heymann hatte schon alles in Darmstadt geplant und eingerichtet, das Gefängnis in der Rundeturmstraße diente als KZ und sich über seine guten Kontakte Fachkräfte aus dem KZ Buchenwald besorgt, da kam die für Darmstadt vernichtende Brandnacht vom 11./12. September 1944.

Zweifellos hat es schon früher Vorplanungen gegeben, sodass im September 1944 sehr zügig ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof bei Hochstädten entstehen konnte. Die aus Biblis von der Organisation Todt geholten - in Bensheim Auerbach untergebrachten - griechischen Zwangsarbeiter mussten die unterirdischen Räume ausbauen, in denen französische, tschechische und deutsche KZ-Gefangene arbeiten sollten. Nach einem Dokument des KZ Natzweiler wurden Anfang Oktober 1944 29 Häftlinge in Hochstädten gezählt.

Im März 1945 wurde das Außenlager schon wieder aufgelöst und zumindest ein Teil der  Gefangenen ins KZ Dachau gebracht. 75 kamen in Dachau an. Auf dem (1992 geschlos-senen) Flughafen Riem besserten sie unter Beschuss der Alliierten die Startbahn aus, bis sie endlich von den Amerikanern befreit werden konnten.

Heinrich Wicker "Evakuierungsmarsch"
Heinrich Wicker in Dachau; LINK:vollständiges Bild bei www.schule-bw.de

Peter Koppenhöfer lässt mit seiner Forschung über den jungen SS-Untersturmführer Heinrich Wicker erahnen, wie brutal diese "Evakuierungsmärsche" waren. Hardliner Wicker war eine Art "Oberaufseher" der Außenlager Sandhofen, Heppenheim und Hochstädten und auch für den Abtransport der Häftlinge aus Hochstädten und Heppenheim verantwortlich. Berüchtigt wurde er durch den Todesmarsch der Häftlinge von Hessental nach Allach (bzw. Dachau)  und sein letztlich ungeklärtes Ende in Dachau.

Georgios Politis, Häftling in Auerbach, erlebte das Kriegsende so:  " Wir verbargen uns flüchtig in den Wäldern, fern von unseren Tyrannen und warteten den stürmischen Anmarsch der verbündeten Heere ab, welche uns retteten und uns mit der Freiheit beschenkten. "     Ergänzungen 1, S. 9. 

Auf dem Bensheimer Friedhof Mitte liegen zwei Griechen begraben:  Nikolaus Georgidis starb an den Umständen seiner Inhaftierung, während Michael Rothas auf tragische Weise umkam. Nach einer gelungenen Flucht aus dem Lager versteckten ihn zwei Bensheimerinnen. Eine der Frauen erschoss ihn dann aber nach einer Auseinandersetzung.

     

Außenlager des KZ Natzweiler
Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof 1943-1945

Quelle: Landeszentrale politische Bildung BAWÜ

Wegen des Vormarschs der alliierten Truppen wurde das KZ Natzweiler-Struthof ab September 1944 evakuiert. Die Häftlinge wurden nun in Außenlager auf der rechten Rheinseite gebracht. Auf der Karte taucht der Name  "Auerbach" auf, gemeint ist aber der Bensheimer Stadtteil Hochstädten. In Auerbach waren nämlich die griechischen Zwangsarbeiter untergebracht, die ursprünglich auf dem Flugplatz Biblis/Lorsch schuften sollten.   

Der leider viel zu früh (2013) verstorbene Wolfgang Stapp hat die durchaus komplizierten Zusammenhänge zwischen dem KZ Außenlager Darmstadt und dem KZ Außenlager Bensheim-Hochstädten erforscht und veröffentlicht. Hierzu gibt es eine Radiosendung (Mitschnitt einer öffentlichen Veranstaltung mit W.Stapp) von Radio Darmstadt vom 20.11. 2007, die Sie mit folgendem Link abrufen können:   freie-radios.net. Es gelten die Lizenzbedingungen von Creative Commons                                                                  Der nach heutigen Begrifflichkeiten "Hightech-Betrieb", der kriegswichtige Steuerungen für Flugkörper jeder Art und auch Minenräumgeräte herstellte, brauchte überraschend viele Arbeiterinnen und Arbeiter: Auch aus Darmstadt sollen täglich Zwangsarbeiter nach Hochstädten gebracht worden sein. Wenn man die griechischen Zwangsarbeiter nicht mitzählt, dann standen dem Ing. Heymann  bis zu 300 KZ-Häftlinge für allerdings verschiedene Werke zur Verfügung.