Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e. V.

Wer die Vergangenheit kennt, ist für die Zukunft gewappnet.

 

 

Auschwitz-Gedenktag:  Gedenkveranstaltung am "Negrelli Stolperstein" in Bensheim

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ruft seit 2009 dazu auf, der Opfer des Nationalsozialismus am großen Negrelli-Stolperstein in Bensheim zu gedenken. Wir unterstützen diese Veranstaltung.                                                                                       Über das Bekenntnis für Demokratie und gegen Rechtsextremismus konnte man am 30.03.2017 im BA nachlesen. In diesem Artikel werden auch die Redner vorgestellt und ihr Anliegen kurz zusammengefasst.                                                                                                              

Auschwitz Gedenktag 27.01.17

Auschwitz Gedenktag 2017 Bensheim
Auschwitz Gedenktag Bensheim
Auschwitz Gedenktag Bensheim
Auschwitz Gedenktag Bensheim
Tony Schwarz, Auschwitz Gedenktag Bensheim

1  

Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2016: 

Auschwitz Gedenktag Bensheim
Unser Vorsitzender Peter Kalb bei seiner Rede (Bild: Doris Sterzelmaier)

Der Kreisverband Bergstraße der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte für Mittwoch, 27. Januar, anlässlich des Tags zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus zu einer Gedenkveranstaltung am Stolperstein-Mahnmal  eingeladen.   

 

 

                                                                                                                                  Sehr geehrte Damen und Herren, ich spreche hier für die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V.. Wir erinnern am Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee und gedenken der Opfer des Holocaust. Auschwitz ist die zentrale Chiffre für den Massenmord an den europäischen Juden. Die Basis für die industrielle Ermordung der Juden war der Rassismus in Deutschland. Man würde gerne darüber in der Vergangenheitsform sprechen. Welch‘ein sinnloser Wunsch.

Heute wird in Dreieich in Hessen auf ein Flüchtlingslager geschossen, in diesem Monat gibt es fast an jedem zweiten Tag einen Angriff auf ein Flüchtlingslager oder auf Fremde; nicht nur bei Flüchtlingen droht ein Klima der Angst. Der Rassismus wächst, er macht sich breit und fühlt sich sicher. Voller Unverständnis stehen wir der Tatsache gegenüber, dass so gut wie keiner der Täter gefasst und seiner gesetzlichen Strafe zugeführt wird. Alles nur Zufall? Wir brauchen keine neuen Gesetze, keine neuen Regelungen, sondern nur die konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze.

Der rechte Rand ist in Hessen aktiv, freilich konzentriert sich die Neo-Nazi-Szene auf die Hetze gegen Flüchtlinge. Der Verfassungsschutz zählte 2014 1310 Personen zur rechten Szene, 400 davon als gewaltbereit eingestuft. Neben der NPD und der Neonazi-Partei „Der dritte Weg“gibt es die sogenannten Kameradschaften  in Hessen sowie die aktiven Anhänger der rassistischen „Identitären Bewegung“ – ausreichende Gründe, um besorgt zu sein.

Bei  der rechten und rechtsextremen Szene weiß man, woran man ist. In meinen Augen beunruhigender ist freilich das von Wahlforschern prognostizierte Anwachsen der Zustimmung zu den Parolen rechtspopulistischer Parteien. Da wird die Schließung unserer Grenzen für Flüchtlinge gefordert, da werden rassistische und fremdenfeindliche Parolen in die Welt gesetzt, da wird über das Verhalten der Afrikaner schwadroniert. Mit diesen Gruppierungen, denen zweistellige Erfolgserlebnisse vorausgesagt werden, haben wir es mit der Einordnung schwerer. Fast hat man den Eindruck, als hätte das Bildungsbürgertum eine angemessene Ausdrucksform gefunden.   

Um es mit dem Bielefelder Begriff zu sagen: Die gruppenbezogene Form der Menschenfeindlichkeit hat ein Gehäuse bezogen,schöner wohnen in der Mitte der Gesellschaft. Und in der Mitte der Gesellschaft halten sich angesehene Personen auf, mit guter Ausbildung, mit zufriedenstellenden Einkünften, mit gesellschaftlicher Anerkennung. Die Schmuddelkinder vom rechten Rand sind widerlich, aber überschaubar. Das Potenzial der rechten Populisten lässt sich nicht so einfach zur Seite wischen. Die häkeln sich ein Mäntelchen von Bürgerlichkeit, damit man nicht sieht, wie brandgefährlich sie für unsere Demokratie sind.  

 

Siehe dazu der Artikel auf ECHO online vom 29.01.2016:  

Am Stolperstein:  Mahnung für die Gegenwart

Oder ein Jahr zuvor:  BA vom 28.01. 2015: 

Erinnerung wahren - Gefahren erkennen: